Was ist eigentlich eine Community?

Community – das ist so ein Begriff, den man momentan überall liest, der aber nirgendwo wirklich erklärt wird.

Wir - diejenigen die Communities aufbauen oder leiten - fangen schnell an in einen romantisierten Jargon zu verfallen, wenn wir über unseren Job sprechen.

Auf der anderen Seite gibt es jede Menge Menschen, die in diesem Gebiet tätig sind, aber gar nicht im Bewusstsein, dass es sich hierbei um eine ganze Branche handelt.

Eine Branche, die einen extremen Wachstum aufweist!

Wann immer ich gefragt werde, was ich beruflich mache, wird auch unweigerlich immer kurz danach gefragt:


„Was sind denn Communities genau? Und was macht man da?“

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass auch ich mich in diesen Momenten immer mal wieder schwertue, genau zu erläutern, was ich eigentlich in meinem Alltag so mache und auf den Punkt zu bringen, was Community Building eigentlich bedeutet. Insbesondere, wenn ich jemanden vor mir sitzen habe, der aus einer völlig anderen Branche kommt.

Sagt man „Community Building“, dann denkt der ein oder andere sicherlich sofort an lokale, nachbarschaftliche oder soziale Aktionen und Maßnahmen. Selbstverständlich kann Community Building genau das sein, aber es ist eben noch so viel mehr!

Aber, was genau SIND Communities denn nun eigentlich?

Community hat ein Definitionsproblem

Der Begriff Community wird vor allem im Marketing, von Gründern oder im Vertrieb sehr gerne für die verschiedensten Dinge verwendet. Auch ich, als jemand der jahrelang in diesen Bereichen gearbeitet hat, kann mich nicht davon freisprechen, das ein oder andere Mal etwas als Community bezeichnet zu haben, was eigentlich gar keine ist.


Community hat ein Definitionsproblem.

Der Begriff hat einen schönen Klang und die meisten Menschen assoziieren automatisch etwas Positives mit dem Begriff. So ist es kaum verwunderlich, dass er insbesondere von Marketern oft genutzt wird, wenn ein Zusammenkommen von Menschen zustande kommt oder um ein Gefühl der Zugehörigkeit auszudrücken.

Dabei spielt es keine Rolle ob dies in der digitalen oder der offline Welt passiert.

In den meisten Fällen handelt es sich jedoch gar nicht um eine richtige Community, sondern um genau das was es vorher schon besagte: Einfach ein Zusammenkommen von Menschen – nicht mehr und nicht weniger.

Doch wann genau wird aus einem Zusammenkommen von Menschen wirklich eine Community? Was macht eine Community aus?

Insbesondere Social Media Kanäle, Newsletter Abonnenten oder Blog-Leser bezeichnet man häufig als Communities.

Aber sind sie das wirklich?

Schauen wir uns doch einmal anhand eines Beispiels an, was eine richtige Community ausmacht.

Die Nachbarschaft als Community

Nur weil Menschen in Häusern und Wohnungen nebeneinander leben, macht sie dies noch lange nicht zu einer richtigen Gemeinschaft.

Was sie aber tatsächlich zu einer echten Nachbarschaft mit Communitygedanken macht, ist das gemeinsame Interesse daran, das bestmögliche Wohngefühl zu erzeugen und den Ort an dem sie leben, mitzugestalten oder so zu erhalten, wie er ist. Ihnen ist die Nachbarschaft in der sie leben wichtig. Sie kümmern sich gemeinsam um Projekte, rufen Initiativen ins Leben, engagieren sich zum Beispiel gemeinsam für den Erhalt einer Grundschule und verfolgen gemeinsame Ziele. Das Wohl der Gemeinschaft ist das übergeordnete Ziel, worauf schlussendlich alle hinarbeiten.

Kinder spielen gemeinsam, die Menschen kennen sich untereinander und kommunizieren miteinander. Jeder weiß darüber Bescheid, was in der eigenen Nachbarschaft momentan passiert und darüber wird sich viel und ausführlich ausgetauscht. Ob bei einem Plausch auf der Straße, am Spielplatz oder im Supermarkt, oder sogar über Online Wege, wie Nachbarschaftsportalen, What’s App - oder Facebook Gruppen.

Genau das ist ein entscheidender Faktor, der eine Nachbarschaft zu einer Community machen kann: Es wird untereinander interagiert und kommuniziert und nicht einfach nur nebeneinander gewohnt.

Die Einwohner haben ein hohes Interesse daran, Teil von dieser Gemeinschaft zu sein und ziehen oft gerade deswegen an diesen Ort. Sie identifizieren sich mit ihrem Wohnort und sind stolz dort zu leben.

Während das Gemeinschaftsgefühl gleich ist, können die Beweggründe, wieso Familien oder Individuen in diese Nachbarschaft gezogen sind, ganz unterschiedlich sein. Vielleicht ist es ein Sicherheitsgefühl, oder der Fakt, dass es dort gute Schulen und ein gutes Ökosystem für Familien gibt. Vielleicht ist es aber auch die Nähe zur Natur oder die Infrastruktur.

Genauso individuell können auch die demographischen Gegebenheiten der einzelnen Einwohner sein.

Das, was sie zusammenbringt, ist die Community.

Zusammengefasst, sind dies die Kriterien, die einen Wohnort zu einer richtigen Community machen:

  • Zusammenschluss von Menschen

  • Eine gemeinsame Identität

  • Gemeinsame Interessen

  • Gemeinsam verfolgte Ziele

  • Interaktionen untereinander

  • Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit

  • Geteilte Werte

Dabei können die demographischen Hintergründe der Mitglieder variieren.

Genau diese Kriterien, lassen sich so ziemlich auf jede Community beziehen – egal ob in der Freizeit oder im Business.

Community definiert

Wenn man sich das Beispiel der Nachbarschaft Community anschaut, dann lässt sich daraus relativ schnell eine gute Definition von Communities herauskristallisieren:

"Communities sind Orte an denen gleichgesinnte Menschen zusammenkommen, die gemeinsame Interessen und gemeinsame Ziele haben. Die sich mit einander oder der Community identifizieren und – besonders wichtig – miteinander interagieren. Sie können völlig unterschiedliche demographische Hintergründe und Beweggründe für den Beitritt einer Community haben, solange sie sich mit den übergeordneten Zielen und Werten der Community identifizieren."

Insbesondere das Internet gibt dem „Ort“ natürlich eine völlig neue Bedeutung. Während Community zu Beginn der Geschichte vor allem als ein lokaler, regionaler Ort definiert wurde, so haben wir heute Zugang zu sämtlichen Communities auf der ganzen Welt und können uns international vernetzen. Es ist nicht überraschend, dass Online Communities in den letzten Jahrzehnten einen regelrechten Boom erlebt haben und noch immer erleben.

Ist Social Media eine Community?

Was bedeutet dies also für die vorher genannten Social Media Kanäle und Co.?

Persönlich sehe ich eine Facebook Page, einen Instagram Kanal, die Abonnenten eines Newsletters oder die Leser eines Blogs nicht gleich als eine Community.

Es fehlen hier entscheidende Faktoren, die eine Community tatsächlich ausmachen. Während die 100.000 Follower eines Social Media Kanals vielleicht das gemeinsame Interesse an der Person haben, die hinter dem Profil steht und vielleicht sogar einige Werte miteinander teilen, so fehlt hier ein entscheidender Faktor einer Community: Die Interaktion der Mitglieder.

Vorrangig kommunizieren diese Follower - wenn überhaupt - nämlich mit dem Profilinhaber und seltener untereinander. Kommt es zu Interaktionen untereinander, dann oft, weil es zu Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten kam.

Ähnlich sieht dies auch mit einem Newsletter aus. Ich kann unendlich viele Abonnenten haben, die täglich meinen Content konsumieren, die voneinander aber gar nicht wissen und auch nicht miteinander kommunizieren.

Was all diese Beispiele jedoch gemeinsam haben, ist die beste Voraussetzung dafür, eine richtige, gut funktionierende Community aufzubauen.

Habe ich bereits eine treue Gefolgschaft, die gerne meinen Content konsumiert, sich mit mir und meinen Themen auseinandersetzt, so kann ich wesentlich einfacher eine Grundlage schaffen und ihnen eine Plattform zum echten Community Austausch bieten.

Schaut man sich einige bekannte Blogger und Influencer an, so kann man bereits sehen, dass viele von Ihnen genau diesen Schritt gegangen sind und entweder eine Offline oder eine Online Community zusätzlich zu ihren Tätigkeiten aufgebaut haben.

Passt Community zu jedem Business?

Doch was, wenn ich weder diese Marketinggrundlage habe, noch eine Nachbarschaft zur Community machen möchte?

Was, wenn ich ein B2B Business führe, haptische Produkte entwickle oder gar noch völlig am Anfang meines eigenen Startups stehe?

Haben dann Communities für mich auch eine Bedeutung?

Diese Frage beantworte ich grundsätzlich immer mit einem lauten: JA!

Wie viele in meiner Branche, bin auch ich ein starker Verfechter davon, dass es wenig bis gar keine Produkte, Dienstleistungen oder Unternehmen gibt, zu denen Communities nicht passen würden. Sicherlich gibt es Thematiken und Branchen die einfacher zu bedienen sind, aber es ist nicht unmöglich eine gute Community für jegliche Art Business aufzubauen.

Wenn wir uns die Geschichte der Communities anschauen, so sehen wir, dass sich ab dem Moment wo sich die Menschen per Computer miteinander vernetzten, relativ schnell die ersten Online Gemeinschaften gegründet wurden.

Insbesondere in der Gaming Industrie gab es schon früh Foren und Plattformen, auf denen sich die Spieler austauschten und über ihre Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge sprachen.

So ist es nicht verwunderlich, dass insbesondere diese Industrie auch heute einige der erfolgreichsten Communities leiten, die von Unternehmen ins Leben gerufen worden sind.

Während zuvor vor allem Online Foren, Facebook Gruppen und andere Community Plattformen sich eher um die Freizeitbeschäftigung drehten, so wachsen die so genannten Brand Communities – also Communities, die sich um eine Marke drehen oder von einem Unternehmen aufgebaut wurden – immer mehr.

In einer sich stets verändernden Konsumentenwelt, müssen Unternehmen sich an die Gegebenheiten ihrer Kunden anpassen.

Der Mensch möchte grundsätzlich dazugehören und so ist es keine Überraschung, dass die Brands, die dies begriffen haben, einen exponentiellen Wachstum und Erfolgsgeschichten vorweisen können.

Wenn wir uns beispielsweise einmal Marken wie Apple, Nike oder Airbnb anschauen und den Erfolg dieser analysieren, fällt schnell auf, dass der Aufbau von Gemeinschaften - von Communities - einen wesentlichen, wenn nicht sogar entscheidenden Faktor gespielt haben.

Wie bei allen strategischen Entscheidungen kommt es natürlich auch bei Brand Communities stark darauf an, für was für eine Community diese sich entscheiden, welche Ziele sie verfolgen, wie sie die Menschen zusammenbringen und welche Zielgruppe sie ansprechen.

Community für die Zukunft

Es ist kein Zufall, dass immer mehr Menschen mit Communities in Verbindung kommen. Es ist auch kein Zufall, dass sich immer mehr Unternehmen darüber informieren, wie sie selber eine Community aufbauen können.

Communities sind für mich die absolute Zukunft, wenn es um die Interaktion mit und zwischen den eigenen Kunden geht. Aber auch, wenn Themen wie Kundenbindung, Brand Identität und Retention ins Spiel kommen und Unternehmen sich über die strategische Zukunft ihrer Marke Gedanken machen. Schon heute gehört bei vielen, erfolgreichen Unternehmen Community zum Business dazu und spielt eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht die eigenen Ziele voran zu treiben.

Es beginnt gerade eine aufregende Zeit für alle die im Community Aufbau tätig sind und ich freue mich ein Teil davon zu sein.



©2019 by Runaway Redhead.